Selbsthilfegruppen bei Spielsucht in Österreich: Formen, Ablauf, Adressen
In einer Gruppe sitzen Menschen, die genau wissen, wie sich der Drang zum nächsten Spiel anfühlt. Für viele ist das der Moment, in dem die Scham kleiner wird. Hier erkläre ich, welche Gruppen es gibt, wie ein erstes Treffen abläuft und wo du in Österreich eine findest.
Früher standen auf dieser Seite die Gruppentermine der Salzburger Beratungsstelle „Anonyme Spieler“, meist mittwochs am Abend in der Emil-Kofler-Gasse. Diese Termine sind nicht mehr aktuell. Du findest sie im Termine-Archiv 2008/2009.
Welche Gruppen es gibt
„Selbsthilfegruppe“ ist ein Sammelbegriff. In der Praxis begegnen dir vor allem diese Formen:
Selbsthilfegruppe
Betroffene treffen sich regelmäßig ohne Fachleitung. Alle sind gleichberechtigt, im Mittelpunkt stehen eigene Erfahrungen. Bekanntestes Beispiel sind die Anonymen Spieler nach dem 12-Schritte-Prinzip.
Moderierte Gruppe
Eine Fachkraft leitet das Gespräch, achtet auf Regeln und gibt Impulse. Viele Beratungsstellen bieten solche Gruppen an, oft als Ergänzung zur Einzelberatung.
Angehörigengruppe
Für Partnerinnen, Partner, Eltern und erwachsene Kinder. Hier geht es um die eigene Belastung, um Grenzen und um Geldfragen, nicht um die spielende Person.
Nachsorgegruppe
Für Menschen nach einer ambulanten oder stationären Therapie. Ziel ist, das Erreichte im Alltag zu halten und Rückfälle früh zu erkennen.
Therapiegruppe
Teil einer Behandlung, geleitet von Psychotherapeutinnen oder Psychologen. Die Teilnahme läuft meist über eine Ambulanz oder Beratungsstelle.
Online-Gruppe
Treffen per Video. Praktisch, wenn es in der Nähe keine Gruppe gibt oder du anonymer einsteigen willst, etwa „Gemeinsam spielfrei“ in der Steiermark.
Warum Gruppen helfen
Gruppen ersetzen keine Behandlung, wenn Schulden, Depressionen oder massiver Kontrollverlust im Spiel sind. Sie leisten aber etwas, das eine Einzelberatung nur schwer kann:
- Weniger Scham: Du hörst, dass andere dasselbe erlebt haben, oft noch Schlimmeres.
- Vorbilder: Menschen, die seit Monaten oder Jahren nicht spielen, zeigen, dass es geht.
- Struktur: Ein fixer Termin pro Woche gibt Halt, gerade an Abenden, an denen früher gespielt wurde.
- Frühwarnsystem: Die Gruppe merkt oft vor dir, wenn du dich in Richtung Rückfall bewegst.
Gruppen und Anlaufstellen in Österreich
Diese Gruppen und Vermittlungsstellen habe ich in der offiziellen Liste des Finanzministeriums und bei den Einrichtungen selbst gefunden. Termine ändern sich, frag deshalb vor dem ersten Besuch nach.
Anonyme Spieler Österreich, Gemeinnütziger Verein
Himmelreichstraße 8, 3390 Melk
- Telefon
- 0660 123 66 74
- [email protected]
Mit dieser Website nicht verbunden.
Online-Selbsthilfegruppe „Gemeinsam spielfrei“
Fachstelle für Glücksspielsucht Steiermark, Graz
- Telefon
- 0664 888 467 60
- [email protected]
Selbsthilfegruppe „Heute nicht“
Lauzilgasse 25, 3. Stock, 8020 Graz
- Telefon
- 050 7900 5910
- [email protected]
Selbsthilfegruppe „Contra Gambling“
Therapie- und Gesundheitszentrum Mutters, Nockhofweg 23, 6162 Mutters
- Telefon
- 050504-490 13
- [email protected]
Selbsthilfe Salzburg (Dachverband)
Engelbert-Weiß-Weg 10, 5020 Salzburg
- Telefon
- 0662 88 89-1800
- [email protected]
Vermittelt Selbsthilfegruppen im Land Salzburg.
Psychosozialer Dienst des Landes
Fanny-von-Lehnert-Straße 1, 5020 Salzburg
- Telefon
- 0662 8042-3599
Führt laut BMF-Liste Gruppen für Menschen mit Glücksspielproblemen.
Spielsuchthilfe: Gruppe für Angehörige
Stolberggasse 26, 3. Stock, 1050 Wien
- Telefon
- 01 544 13 57
- [email protected]
Keine Gruppe in deiner Nähe? Viele Beratungsstellen bieten eigene Gruppen an, auch wenn sie nicht als Selbsthilfegruppe aufscheinen. Die Übersicht nach Bundesland findest du unter Hilfe finden.
So läuft ein erstes Treffen ab
Die Abläufe unterscheiden sich, aber die Beschreibungen der Gruppen ähneln sich stark. Ungefähr so kannst du dir den ersten Abend vorstellen:
- Vorher anrufen oder schreiben. Viele Gruppen freuen sich über eine kurze Ankündigung, manche verlangen sie.
- Ankommen. Du nennst deinen Vornamen, mehr nicht. Nachnamen, Beruf oder Wohnort fragt niemand ab.
- Zuhören. Beim ersten Mal musst du nichts sagen. Viele hören nur zu und erzählen erst beim zweiten oder dritten Treffen.
- Vertraulichkeit. Was in der Gruppe gesagt wird, bleibt in der Gruppe. Das ist die wichtigste Regel überall.
- Danach. Oft gibt es die Möglichkeit, mit einer erfahrenen Person noch kurz zu reden oder Telefonnummern zu tauschen.
Ehrlich gesagt: Der schwerste Teil ist die Tür. Wer einmal drinnen war, kommt meistens wieder.
Gruppen für Angehörige
Angehörige tragen oft jahrelang mit, ohne selbst Unterstützung zu bekommen. Eine eigene Gruppe hilft, Schuldgefühle abzulegen und klare Grenzen zu setzen, zum Beispiel beim Thema Geld. Die Spielsuchthilfe Wien bietet eine Gruppe für Angehörige an, und auch viele andere Beratungsstellen beraten Angehörige allein, ohne dass die spielende Person mitkommen muss. Praktische Antworten auf typische Fragen von Angehörigen findest du unter Fragen & Antworten.