Anonyme Spieler: Selbsthilfe nach dem 12-Schritte-Prinzip erklärt
„Anonyme Spieler“ ist im deutschsprachigen Raum der Name für die Selbsthilfebewegung Gamblers Anonymous (GA). Hier erfährst du, woher sie kommt, wie ein Meeting abläuft, was die zwölf Schritte bedeuten und für wen dieser Weg passt.
Unter dieser Domain lief früher die Website der Salzburger Beratungsstelle „Anonyme Spieler“, also einer professionellen Einrichtung mit Fachpersonal. Das ist etwas anderes als die Selbsthilfebewegung der Anonymen Spieler, um die es auf dieser Seite geht. Mehr zur Geschichte der Domain steht unter Über uns.
Woher die Anonymen Spieler kommen
Gamblers Anonymous wurde 1957 in Los Angeles gegründet, nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker. Zwei Männer mit Spielproblemen stellten fest, dass ihnen regelmäßige Gespräche miteinander halfen, nicht mehr zu spielen. Daraus entstand eine weltweite Bewegung mit Gruppen in vielen Ländern, auch im deutschsprachigen Raum.
Das Prinzip ist bis heute gleich: Betroffene helfen Betroffenen, ohne Fachleitung, ohne Kosten und ohne Namen.
Die Grundprinzipien
- Eine einzige Voraussetzung: der Wunsch, mit dem Spielen aufzuhören. Es gibt keine Anmeldung und keine Diagnose.
- Keine Kosten: Die Gruppen finanzieren sich über freiwillige Spenden der Mitglieder.
- Anonymität: Man kennt sich beim Vornamen. Wer wen in einem Meeting gesehen hat, bleibt dort.
- Abstinenz als Ziel: Es geht nicht um kontrolliertes Spielen, sondern darum, ganz aufzuhören.
- Nur für heute: Statt „nie wieder“ zählt der heutige Tag. Das macht ein großes Ziel greifbar.
- Unabhängigkeit: Die Gruppen sind an keine Partei, Religion oder Organisation gebunden.
Die zwölf Schritte in eigenen Worten
Die zwölf Schritte stammen von den Anonymen Alkoholikern und wurden für das Glücksspiel angepasst. Ich fasse sie hier in vier Phasen zusammen, nicht im Originalwortlaut:
- Eingestehen: Anerkennen, dass das Spielen das Leben unkontrollierbar gemacht hat und dass Willenskraft allein nicht reicht.
- Vertrauen: Sich auf Hilfe von außen einlassen. In den Schritten ist von einer „höheren Macht“ die Rede, viele verstehen darunter schlicht die Gruppe.
- Aufräumen: Eine ehrliche Bestandsaufnahme machen, eigene Fehler benennen und, wo möglich, Schäden wiedergutmachen, auch finanziell.
- Weitergeben: Die eigene Veränderung im Alltag pflegen und die Erfahrung an neue Mitglieder weitergeben.
Für mich war bei der Recherche wichtig zu verstehen: Die spirituelle Sprache schreckt manche ab. Wer damit nichts anfangen kann, findet in moderierten Gruppen von Beratungsstellen eine Alternative ohne diesen Rahmen.
So läuft ein Meeting ab
Meetings folgen einem festen Ritual. Das wirkt anfangs ungewohnt, gibt aber Sicherheit:
- Zu Beginn wird ein kurzer Text verlesen, der Zweck und Regeln der Gruppe erklärt.
- Wer sprechen möchte, stellt sich mit Vornamen vor und erzählt von eigenen Erfahrungen.
- Die anderen hören zu und kommentieren nicht. Ratschläge oder Diskussionen gibt es im Meeting nicht.
- Am Ende geht oft ein Korb für freiwillige Spenden herum.
- Erfahrene Mitglieder begleiten Neue manchmal als Ansprechperson, auch zwischen den Treffen.
Beim ersten Besuch musst du nichts sagen. Zuhören reicht.
Bekannte Fragen zur Selbsteinschätzung
Gamblers Anonymous hat eine Liste von zwanzig Fragen bekannt gemacht, mit der sich Betroffene selbst einschätzen können. Sinngemäß gehören dazu Fragen wie diese:
- Hast du wegen des Spielens schon Arbeits- oder Ausbildungszeit versäumt?
- Hast du nach dem Spielen Gewissensbisse?
- Hast du gespielt, um Schulden zu bezahlen oder Geldprobleme zu lösen?
- Hast du nach einem Gewinn den starken Wunsch gehabt, weiterzuspielen und mehr zu gewinnen?
- Hast du dir Geld geliehen, um zu spielen?
Wer mehrere Fragen mit Ja beantwortet, sollte das ernst nehmen. Einen strukturierten Test nach medizinischen Kriterien findest du unter Glücksspielsucht erkennen.
Selbsthilfe oder Beratung: was passt zu dir?
| Anonyme Spieler (Selbsthilfe) | Beratungsstelle | |
|---|---|---|
| Leitung | Betroffene, ohne Fachpersonal | Sozialarbeit, Psychologie, Psychotherapie |
| Kosten | keine, freiwillige Spenden | oft kostenlos, je nach Stelle |
| Ziel | vollständige Abstinenz | individuell, meist Abstinenz |
| Schulden | Erfahrungsaustausch | konkrete Hilfe, Vermittlung zur Schuldenberatung |
| Begleiterkrankungen | nicht Teil des Angebots | Abklärung und Behandlung möglich |
| Dauer | so lange du willst, oft jahrelang | meist begrenzter Zeitraum |
Beides schließt sich nicht aus. Viele nutzen die Beratung für den Einstieg und die Gruppe für die Zeit danach.
Anonyme Spieler in Österreich finden
In der offiziellen Liste des Finanzministeriums ist der Verein „Anonyme Spieler Österreich“ in Melk eingetragen (Telefon 0660 123 66 74, [email protected]). Er ist mit dieser Website nicht verbunden. Frag dort nach aktuellen Treffpunkten und nach Online-Meetings.
Weitere Selbsthilfegruppen in Graz, Tirol und Salzburg sowie online findest du unter Selbsthilfegruppen in Österreich.
Für Angehörige
Neben den Gruppen für Spielende gibt es international eigene Gruppen für Familienangehörige, bekannt als Gam-Anon. In Österreich ist der häufigere Weg die Angehörigenberatung oder Angehörigengruppe einer Beratungsstelle, etwa bei der Spielsuchthilfe in Wien. Auch die TelefonSeelsorge unter 142 ist für Angehörige da.